Neue Bohrung in Asse II erhöht die Gefahr des Absaufens

Der Asse II-Koordinationskreis kritisiert das Vorhaben, im sensiblen Bereich der Schachtanlage Asse II an der Südflanke des Salzstockes eine Bohrung von rund 600 Metern Tiefe niederzubringen. Eine derartige Bohrung wird nach Auskunft der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Betreiberin der Schachtanlage Asse II, derzeit vorbereitet.

Wie riskant solche Bohrungen sein können zeigt ein Beispiel: Eine bestehende Bohrung – lt. BGE aus den 1970er/1980er Jahren mit ca. 200 Meter Tiefe – befindet sich direkt über der heutigen Hauptfassungsstelle der Laugen, die in das Bergwerk eindringen. Die Fließwege von der Oberfläche des Höhenzuges Asse und dem Deckgebirge in die Schachtanlage Asse II hinein sind bis heute nicht bekannt.

Es ist nicht auszuschließen, dass diese alte Bohrung mit dazu beigetragen hat, dass der Laugenzutritt von gegenwärtig etwa 14 Kubikmetern pro Tag seit 1988 das Bergwerk Asse II gefährdet. Weiterhin ist nicht auszuschließen, dass die neue Bohrung eine ähnliche Wirkung auf den Salzstock hat und einen unbeherrschbaren Lösungszutritt auslöst.

Der Asse II Koordinationskreis warnt eindringlich davor, dass die nun beabsichtigte Bohrung das Absaufen der Schachtanlage Asse II zur Folge haben könnte. Durch diese Bohrung könnten sich neue Wasserwegsamkeiten ausbilden, die den Lösungszutritt in das Bergwerk erhöhen und im schlimmsten Fall zu einem unbeherrschbaren Lösungszutritt und dem Absaufen der ganzen Schachtanlage führen könnten. Die beabsichtigte Rückholung der 50.000 Kubikmeter Atommüll und Giftmüll aus Asse II wäre dann kaum mehr möglich – dabei handelt es sich u.a. um 102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium, 28 Kilogramm Plutonium und 500 Kilogramm Arsen.

Der Ansatzpunkt der gegenwärtig vorbereiteten Bohrung würde nahe bei den östlichen Stollen der schon früh abgesoffenen Schachtanlage Asse I und über westlichen Stollen von Asse II liegen.

Verfüllung von Abbaukammern angemahnt

Stark verwundert ist der Asse II Koordinationskreis auch darüber, dass schon seit mindestens zwei Jahren das Institut für Gebirgsmechanik Leipzig (IFG) dringend – aber erfolglos – angemahnt hat, die Abbaureihen 2 und 4 in Asse II so zu verfüllen, dass ein Kraftschluss hergestellt wird und damit die Verformung des Berges gebremst wird, die die Stabilität des Bergwerkes permanent gefährdet.

Zuletzt wurde diese Kritik bei der Veranstaltung zur Gebirgsmechanik der Asse am 27.06.2019 in Schöppenstedt geäußert. Die Vertreter des Betreibers von Asse II konnten dort nicht zufriedenstellend beantworten, warum diese Verfüllung bisher nicht erfolgte. Auch schon der ehemaliger Betreiber von Asse II, das Bundesamt für Strahlenschutz, hatte diese Verfüllung unterlassen.

Der Asse II Koordinationskreis erwartet zum Thema der neuen Bohrung im Bereich Asse II und zur erforderlichen Verfüllung der Abbaureihen 2 und 4 ein zeitnahes Gespräch mit der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), hierzu wurde die Geschäftsführung jetzt angeschrieben.

hier die Pressemitteilung des Asse-II-Koordinationekreises

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